my way to PPP

JAHR EINS

Es war Sommer… Sommer 2005 als ich das erste mal von meiner Gelegenheit hörte. Im Englischunterricht erzählte uns unsere Englischlehrerin von dem Programm das sich PPP nennt und das jedem ermöglicht seinen Traum zu verwirklichen. Die Rede ist von einem einjährigen USA Aufenthalt. Es kam mir vor wie ein Zufall das ich erst in den letzten Wochen meine Gedanken doch selbstständig schon in diese Richtung gelenkt habe ohne davon zu Wissen, dass ich diese Möglichkeit wirklich einmal haben werde. Es war mehr ein Hirngespinst als eine wirkliche Absicht. Doch die Tür öffnete sich ein Stück und ich sah meine Gelegenheit, ich musste nur Stark genug sein sie zu öffnen, denn etwa 50 bis 100 andere Schüler versuchten es auch…. aber sie zogen in die andere Richtung.

Die Unterlagen waren schnell aus dem Internet heruntergeladen und ausgedruckt. Ein einziges kleines Blatt in das ich unpräzise Angaben über mich eintragen musste die nichts über mich verrieten. Ausgefüllt und abgeschickt! Der erste Schritt war getan und ich habe mich somit dafür entschieden mein Glück und mein Können auf eine Probe zu stellen.

Die Zeit verging und ich fragte mich bereits ob ich etwa abgelehnt worden wäre, als doch endlich ein Brief ins Haus flatterte. Bewerbungsunterlagen, diesmal mehr, die mich genauer kennenlernen wollten als dieses kleine, blaue Blatt mit dem ich mich beworben hatte. Das ausfüllen war unangenehm… mir wurden schließlich Fragen gestellt die ich mir noch nichtmal selbst gestellt hatte. Ich sollte mich beschreiben. Eine Selbstdarstellung mit Stärken und Schwächen. Welche Stärken und Schwächen? Ich musste nachfragen, Andere konnten mir mehr über mich sagen als ich es selbst konnte, ein Punkt der mich eigentlich zum Überlegen hätte bringen sollen, das hat er jedoch nicht wie ich nun beim schreiben dieses Textes feststellen muss. Nach einer Woche etwa waren die Unterlagen ausgefüllt. All der Enthusiasmus mit dem sie geschrieben wurden spiegelte sich nicht im geringsten Maße in ihnen wieder. Ich fand Zweifel berechtigt, wusste aber gleichzeitig nicht wie ich es besser machen sollte und schickte sie also einfach ab, gemäß nach dem Motto: „Wird schon gut gehen“. Das ging es auch.

Diesmal dauerte es nicht ganz so lange bis ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekam. Na also, läuft doch schonmal prima. Das dies meine letzte Etappe im Rennen war wusste ich natürlich noch nicht. In Weinheim fand das präsentieren der eigenen Person in diesem Gespräch statt. Gespräch ist vielleicht etwas irreführend, handelte es sich doch mehr um eine Art Gruppeninterview das sich über Stunden erstreckte. Vorstellung auf Englisch, von sich selbst natürlich, ein Kurzreferat über ein aktuelles Politisches Thema mit anschließender Diskussionsrunde, ein Einzelgespräch und eine Art Englische Schularbeit die anscheinend zu nichts gut war als uns zu beschäftigen. Die Vorstellung auf Englisch fiel mir noch recht einfach, es war ja nicht gerade schlecht um mein Englisch bestellt und auch das Referat über das aktuelle Politisches Thema lief nach eigenem Empfinden mehr als gut. Mein Thema war Angela Merkel, hat sie doch als erste Bundeskanzlerin Altbundeskanzler Gerhard Schröder abgelöst… wenn das nicht aktuell war??? Die Diskussionsrunde war ein Disaster. Erzwungene Fragen zu Dingen die einem egal waren und die man nur stellte damit es so aussah als wäre man ein offener, wissenshungriger Mensch, traf dies doch auf die wenigsten zu. Das Einzelgespräch verlief nach eigenem Empfinden mindestens genauso gut wie mein hervorragendes Referat. Wer in diesem Satz Ironie vermutet liegt gänzlich falsch, mein Referat war hervorragend und auch in dem Gespräch konnte ich auf alle Fragen mit einer korrekten und schnellen Antwort trotzen. Im Nachhinein denke ich es war einfach die Unsympathie die ich als Klugscheißer und Schleimer den Prüfern entgegenbrachte, die mich ausscheiden ließ. Es kommt wohl nicht gut an wenn man überzeugt von sich ist und auf ein Thema, von dem man eigentlich Nichts wissen sollte, alle Antworten kennt.

Die besagte Absage hielt ich am 22. Dezember in meinen Händen. Ich habe dieses Datum noch genau im Kopf… ich lag Krank in meinem Bett als meine Mutter mich aufweckte und mir den Brief ins Gesicht hielt. Ich brachte den Mut nicht auf ihn selbst zu lesen und bat daher meine Mutter darum ihn durchzulesen und mir das Ergebnis mitzuteilen. Dies tat sie auch und nach einigen Sekunden furchtbarer stille Antwortete sie mir mit einem einzigen Wort: „Nein!“ Ich hatte meine Chance verpasst, der Traum blieb nur ein Traum, Zeit sich auf wichtigere Dinge zu konzentrieren als auf etwas für das ich nicht das Zeug hatte. Oder Moment… konnte ich mich denn vielleicht nochmal bewerben???

JAHR ZWEI

Und ich konnte! Ich passte grade noch in die Altersbeschränkung, die vorgibt, dass man am Tag der Abreise unter 18 Jahre alt sein muss. Also die ganze Prozedur nocheinmal…

Die „blue card“ war abgeschickt, die Formulare lagen auf meinem Tisch. Das ausfüllen war in windeseile getan, die alte Selbstbeschreibung nur nochmal etwas ergänzt und überarbeitet. Alles in allem nahm ich es nicht mehr ernst. Der Enthusiamsmus war verflogen und es kam mir nurnoch wie ein Zeitvertreib vor. Ich bin doch bereits am AWG gescheitert wie soll ich es denn jetzt bis zum Stipendium schaffen?!? Unmöglich!!! Also beruhten alle meine „Bemühungen“ auf Alibi und so habe ich es natürlich auch nicht geschafft den Einsendeschluss einzuhalten, mit einem kurzen anruf bei GIVE war dies jedoch geregelt und die Formulare konnten ihre Reise antreten und die bei GIVE beschäftigten belästigen.

Wie erwartet, die Einladung zum AWG kam! Diesmal war ich eiskalt und entspannt. Ich wusste ja schließlich was auf mich zukommt und unangenehme Überraschungen waren ausgeschlossen. Bei schwierigen Fragen… was solls, ich bin ja schonmal geflogen! Diese Gleichgültigkeit verschaffte mir den vielleicht entscheidenden Vorteil, wenn man von meinem Geschleime hier und da mal absieht. Man muss eben auch taktisch agieren um Erfolg zu haben! Mein Referat hielt ich gekonnt, keine Ausrutscher, keine Fragen die nicht zu beantworten waren… reibungslos! auch das Einzelgespräch ging flüssig von der Hand, denn die „Jury“ war zu begeistert davon, dass ich mich schon zum zweiten Mal beworben habe, so, dass es weniger ein Vorstellungsgespräch war, als vielmehr eine Art Kaffeeklatsch. Nur der Kuchen hat gefehlt und die Tasse Kaffee hätte es alles perfekt gemacht. Ich ging mit einem sehr, sehr guten Gefühl aus dem großenen, steinernen Gebäude in der Weinheimer Innenstadt und so langsam loderte auch die Flamme in mir wieder auf, die dieses Stipendium haben wollte, koste es was es wolle!!!

Die Tage verstrichen, von der anfänglichen coolnes ist nichts mehr übrig geblieben. Der Brief kam, in ihm meine Beglückwünschung zum erreichen der nächsten Runde und Tage später kam auch eine Einladung meiner Abgeordneten, Brigitte Zypries, Bundesjustizministerin. Tatsächlich! Letzte Runde, alles entscheidendes Gespräch, jetzt hing es nurnoch an mir! Wenn ich mich gut präsentiere, besser als die anderen, bekomme ich dieses Stipendium für das ich nun schon mehr als doppelt so lange arbeite wie alle anderen Kandidaten neben mir. Ich war der einzige der sich die Frage stellte ob das wirklich funktionieren kann…

Am 3. Februar 2007 fand mein Gespräch statt. Mittags gegen 3 Uhr begab ich mich also zum Darmstädter Büro von Frau Zypries. Nach komplikationen mit Klingel und zu findendem Stockwerk fand ich mich in einem kleinen Wartezimmer wieder, trank ein Glass Wasser um meinen trockenen Mund unter kontrolle zu kriegen und wurde mit Handschlag von Frau Zypries in ihrem Büroraum begrüßt. Ich setzte mich auf den Stuhl ihr gegenüber und wartete… es kam mir vor wie Minuten in denen nichts passierte und die Frau mir gegenüber in irgendwelchen Akten rumwühlte bis sie dann meine Bewerbungsunterlagen in der Hand hielt. Danach wurde die unangenehme Stille endlich beendet und ich wurde ausgefragt mit den unangenehmsten Fragen, die Teilweise sogar darauf zielten meinen ethischen Standpunkt festzustellen. Von meiner Seite kamen immer nur knappe, kurze Antworten, keine sonderlich gut ausformulierten Sätze und mir haben die Knie gezittert wie einem kleinen Jungen vor dem Sprung vom 5-meter-Brett. Ich ging also mit einem schlechten gefühl aus dem Gebäude, mit dem Wissen, dass der erlösende Anruf in den nächsten 2 Tagen kommen muss, sonst war das mein Aus…

Der darauffolgende Sonntag verging schnell, der Montag hatte es aber in sich. Ich kam von der Schule, war den ganzen Tag zu Hause und habe auf den Anruf gewartet. Die Stunden verstrichen und das Telefon hielt still. Ab und zu rufte jemand an der meist meine Eltern sprechen wollte. Gegen 5 Uhr verließ mich schon langsam der Mut, das Büro eines Abgeordneten hat sicherlich nicht so lange geöffnet, maximal bis 6 Uhr, aber die Chancen schwanden von Minute zu Minute. Um 6 Uhr hatte ich meine Niederlage dann bereits akzeptiert, obwohl ich immernoch hektisch die Treppe hinabstürzte wenn das Telefon klingelte, so auch um 7 Uhr. Diesmal aber war es anders als die Male davor bei denen meine Mutter mich jedes mal wieder kopfschüttelnd nach oben schickte, denn diesmal winkte sie mich grinsend herbei. Am Telefon meldete sich die Sekretärin von Frau Zypries. Sie spannte mich noch ewig auf die Folter bis sie mir endlich sagte das ich mir zwei große Koffer für die Reise nach Amerika kaufen soll.

Ich hatte es also im zweiten Anlauf endlich geschafft und mir aus eigener Kraft und auf eigene Faust den Weg zum Stipendium geebnet und bin heute einer der 289 Schüler aus ganz Deutschland die sich Teilnehmer des 24. Parlamentarischen Patenschaftsprogramms nennen dürfen!!! Dankeschön…


2 Antworten to “my way to PPP”

  1. Hey Andre,
    damals hats nicht geklappt, aber dafür dieses mal!
    Ich glaub du redest da auch ein paar ebenfalls abgelehnten direkt aus der seele..
    Wümsch dir jetzt jedenfalls suuuuper viel Spaß in USA!

  2. hey du,
    das ist ja mal ne coole geschichte :) und meinen glückwunsch, dass du es im 2. anlauf doch noch geschafft hast… das wird bestimmt eins der schönsten jahre deines lebens, da wette ich mit dir :D
    lg

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